Bali im Januar

Oh Mann,

so früh bin ich Neujahr noch nie aufgestanden... Aber besondere Tage erfordern besonderes Verhalten und so war ich dann tatsächlich schon um 10:00 Uhr von Rheinbach/Bonn nach Frankfurt unterwegs...  (Danke, Kay...)

Das Einchecken bei GARUDA lief, sicherlich auch wegen der frühen Ankunft, wie immer problemlos, ich konnte sogar den gewünschten Sitzplatz 74J (Raucher, letzte Reihe, Fensterplatz) bekommen.

Aber dann (immer ich!!!???) :-(((

Ich hatte schon zu hoffen gewagt, daß der Gangplatz neben mir leer bliebe, als sich dann, 5 Minuten vor Abflug, eine etwas zerknitterte Gestalt neben mich setzte: Manfred, 48, auf dem Flug zu seiner Freundin in Thailand...

Nun ja, ich bin ein höflicher Mensch, man kann sich seine Sitznachbarn nicht immer aussuchen und deshalb hatte ich auch nichts dagegen, mich etwas mit Manfred zu unterhalten und uns gegenseitig die Vorzüge von Thailand bzw. Bali zu schildern. Etwas erschwerend an unserer Unterhaltung war allerdings, daß sich M. schon wenige Minuten nach dem Start seiner Zähne entledigte (er hatte nur noch 3 eigene) und irgendwie waren danach seine Worte etwas schwieriger zu verstehen ;-)

Nach einiger Zeit tat sich allerdings noch ein zweites Problem auf; M. war dem Rotwein sehr zugetan und mit jedem weiteren Glas (eigentlich bestellte er immer zwei, eines für sich und eines für mich, was er aber auch trank) steigerte sich der Schwall seiner Worte, aber auch gleichzeitig die Unverständlichkeit.

Eigentlich machte mir das auch nicht viel aus, schließlich half es, die Flugdauer zu verkürzen (immerhin 11 Std. bis BKK) und die mitgenommenen Bücher konnte ich auch noch auf Bali oder auf dem Rückflug lesen, aber nach ca. 6 Stunden gab es ein kleines Problem, M. bekam keinen Rotwein mehr...

Irgendwie hatten die Flugbegleiter von Garuda die Nase voll, M. laufend zu bedienen und erklärten einfach, es wäre kein Wein mehr vorhanden.
Zuerst gab er sich auch mit dieser Erklärung zufrieden, wurde nach einer weiteren Stunde aber etwas krakeelig und bat mich, ihm noch etwas Wein zu besorgen. Anfangs sträubte ich mich zwar etwas, gab aber nach weiteren 30 Minuten dann doch nach, um endlich wieder Ruhe zu bekommen.
Ich hatte auch Glück und bekam tatsächlich noch zwei weitere Gläser Rotwein, das Glück wurde sogar noch größer, als M. nach Genuß dieser beiden Gläser, von denen er sich eines gleich halb über das Hemd kippte, nun doch etwas schläfrig wurde und nur noch so leise vor sich hin murmelte, daß ich ihn kaum noch hören und verstehen konnte.

Nach einiger Zeit wurde M. dann anhänglich und bettete sein leicht angefettetes Haupt an meiner Schulter, das konnte ich dann aber doch nicht mehr durchgehen lassen...

Er hat dann, halb hängend, halb liegend, knapp eine Stunde geschlafen, auch ich hatte also endlich etwas Ruhe. An richtigen Schlaf war allerdings nicht zu denken, es waren nur noch drei Stunden bis BKK und da lohnte sich das nicht mehr, außerdem waren zwischenzeitliche Attacken von M. abzuwehren, der während seiner Suffträume gelegentlich heftig um sich schlug...

Nach einer Stunde Ruhe, gelegentlich unterbrochen durch weitere Attacken, wurde M. aber wieder geweckt, da es nun galt, das Visum für Thailand auszufüllen, außerdem sollte es bald auch Frühstück geben...

M.'s Leiden setzten sich jetzt fort, trotz Lesebrille war er nicht mehr in der Lage, irgend etwas auf dem Visazettel zu entziffern, an Schreiben war schon rein gar nicht zu denken ;-) Schließlich erbarmte sich eine Stewardeß und bot ihm an, das Visum auszufüllen. Da M. kein Englisch konnte, war auch das nicht ganz einfach, die meisten Daten konnte die junge Frau dem Paß entnehmen, aber bei Beruf und der genauen Anschrift, die ja nicht im Paß steht, mußte ich doch als Übersetzer herhalten. Nachdem das Alles erledigt war, brauchte M. nur noch zu unterschreiben, wozu er allerdings wohl keine Lust hatte bzw. dazu auch nicht mehr fähig war.

Als er dann aber einfach einen gerade vorbeikommenden Mitflieger bat, seinen Visa-Antrag zu unterschreiben und dieser das dann mit "XXX" auch tat, verlor die bis dahin immer noch geduldig wartende Stewardeß ihre asiatische Ruhe und sprach dann in etwas lauterem Ton "You are a crazy man", was zweifellos auch stimmte und einige weitere Sätze, bei denen ich aber nicht mehr genau zuhören mochte.

In den letzten beiden Stunden gab es dann nichts Besonderes mehr und nach der Landung verlor ich M. dann aus den Augen, ich weiß also nicht, ob M. mit seinem Visum bei den Thais auch durchgekommen ist und ob er auch seine Zähne wieder eingesetzt hat...

Der Zwischenstop in BKK war diesmal wesentlich länger, seitens Garuda wurde zwar eine Dauer von 45 Minuten angegeben und ich hatte mich schon darauf eingestellt, diese Zeit im Flugzeug zu verbringen.
Vorsichtshalber und glücklicherweise befragte ich aber noch eine Stewardeß und die nannte mir dann "mindestens 1 1/4 Stunde, so daß ich mich dann doch noch zum Aussteigen entschied. Die tatsächliche Dauer bis zum Abflug betrug dann letztendlich 2 1/2 Stunden, da hätte ich auch noch ein paar Mark in Baht umtauschen und etwas zu essen kaufen können... (That's Indonesia :-))))